Letzte Woche waren wir für euch auf der Mercedes Benz Fashionweek Berlin unterwegs und möchten nun unsere Highlights zusammenfassen.

In den letzten Saisons wurde der Ruf der Berliner Fashionweek immer schlechter. Deshalb haben wir auch beschlossen, als Label GLAW der Veranstaltung vorerst den Rücken zu kehren und abzuwarten, wie sich die Berliner Modewoche entwickelt. Böse Zungen behaupten, die Fashionweek Berlin sei eine Zusammenkunft von Z-Promis und zweitklassischer Mode. Nun ja, in der Vergangenheit gab es wohl das ein oder andere Label, das mehr durch die schlecht besetzte Frontrow in den Klatschspalten landete als durch gute Designs in seriösen Fachmagazinen. Aber das ist eine andere Story, die wir zukünftig noch einmal genauer beleuchten werden. Beschäftigen wir uns nun also stattdessen mit den positiven Seiten der Fashionweek Berlin und reflektieren wir die Shows der letzten Woche.

Die neue Location der Fashionweek Berlin

In den letzten Jahren fand die Fashionweek hauptsächlich im Zelt am Brandenburger Tor oder alternativ im Erika Hess Eisstadion statt. Dazu kam vor einiger Zeit noch der Berliner Modesalon der Vogue, der auch einige Offsite Locations parat hatte. Der Wechsel von Zelt und Stadion kam durch die ständigen Großveranstaltungen auf der Straße des 17. Juni zu Stande (z.B. Fussball-WM/-EM). Der Veranstalter IMG suchte schon seit einiger Zeit nach einer festen Location, die nicht abhängig von anderen Saisonveranstaltungen ist und wurde dieses Jahr fündig.

Im Kaufhaus Jandorf fand der größte Teil der diesjährigen Shows statt. Das ehemalige Kaufhaus in Berlin Mitte (das in der DDR übrigens als Institut für Modegestaltung diente) punktet nicht nur mit urbanem Feeling sondern auch mit einem spannenderen Laufkonzept, das den Shows auf Fotos und Videos ein internationales Flair verleiht. Unter diesen Umständen sieht man gerne davon ab, dass der Ausblick als Gast schwieriger ist, wenn man nicht gerade in der Frontrow sitzt (die Steigung der einzelnen Reihen ist in der kleineren Location leider nicht so optimal möglich wie im Zelt). Denn wenn man der Berliner Fashionweek mit den Fotos, die um die Welt gehen, einen positiveren Stempel verpassen kann, profitieren nicht nur die Designer und Labels davon.

Tag 1, Dienstag 17. Januar

Der erste Tag startete mit Dorothee Schumacher (unten), die unserer Meinung nach die beste Kollektion der Fashionweek zeigte. Tragbare Designs, Materialmix und ein Styling, das der Show eine internationale Note verlieh. Keine untragbaren Kunstobjekte sondern Mode auf den Punkt gebracht. An dieser Stelle Chapeau an den Stylisten der Dorothee Schumacher Show! Wir sind verliebt! Ein Teil der Pieces waren übrigens schon direkt nach der Show erhältlich. Ein Konzept, das bereits von anderen großen Brands etabliert wurde und nun auch Deutsche Labels erreicht.

Ein weiteres Highlight des ersten Tages war ohne Frage Danny Reinke (unten), ein junger Designer, von dem wir vorher noch nie gehört haben. Schande über uns, denn wir sind mehr als begeistert. Danny Reinke zeigte seine Kollektion in Form einer Installation im „Me collectors room“, eine Außenstelle der Hauptlocation. Einfach schön! Danny Reinke bewegt sich perfekt auf dem schmalen Grad von Tragbarkeit und Kreativität. Wunderschöne kühle Rottöne treffen auf pudriges Nude. Tüllvariationen, mit denen man sofort den roten Teppich betreten möchte. We like!

Weitere Highlights des 1. Tages waren eine Lena Hoschek Show (unten links) , die den 80er-Barbie-chic mit Vintage-Elementen kombinierte und Malaikaraiss (unten rechts), die eine gewohnt hochwertige Kollektion mit klaren Schnitten und Farben zeigte.

Das Lowlight des Tages war die Show von Riani (unten). Nette Story, Socialites auf dem Catwalk, aber leider wenig förderliche Designs für eine Fashionweek, die nach internationaler Aufmerksamkeit strebt.

Tag 2, Mittwoch 18. Januar

Den zweiten Tag versüßte uns Philomena Zanetti (unten) mit klaren Schnitten in Rost-Rot, Gewitter-Grau und samtigem Petrol. Seidige Stoffe trafen auf gesteppte Materialien im Daunen-Look und mein Lieblingsmaterial Samt. Abgerundet wurden die Looks mit Kuvert-Taschen und goldenen Broschen. Sehr tragbar lassen sich die Einzelteile untereinander kombinieren oder upstylen. Eine schöne Kollektion, die sicherlich auch wirtschaftlich erfolgreich sein wird.

Am späten Nachmittag zog uns Ivanman (unten) in seinen Bann. Zugegeben, wir sind befangen, da wir Ivan auch privat sehr mögen, aber seine Kollektion würden wir auch lieben, ohne ihn zu kennen. Neben einem tollen Musik-Konzept betraten bildschöne Jungs in Statement Looks den Catwalk im „Me collectors room“. Aussagekräftige Pieces in Violetttönen, schwarze Wollmäntel und zwischendrin einige Teile, bei denen man sich fragte „…ist er nicht fertig geworden und hat die Nesselproben auf den Catwalk geschickt..?“ Nein, kreativ band Ivan Schnittkennzeichungen in die Looks ein und traf damit ins Schwarze! We really like!!! Eine Kollektion, die sich international behaupten kann!

Des Weiteren zeigte Lana Mueller (unten links) eine weibliche Kollektion mit flatternden Spitzen-Volants und Ledereinsätzen. Leonie Mergen (unten rechts) überzeugte mit Damen- und Herren-Looks in teilweise bestickten Wollstoffen, Leder und mit klaren Linien.

Lowlight des Tages war Sportalm (unten). Nette Teile für die Mutti von nebenan aber nichts für eine Fashionweek.

Tag 3, Donnerstag 19. Januar

Am Donnerstag verliebten wir uns in die Kollektion von Dawid Tomaszewski (unten): elegante Stoffe in Renaissance-Farben treffen auf tragbare Schnitte. Ein weiblicher Layering Look trägt zu einer eleganten Perfektion der Kollektion bei. Dawid Tomaszewski scheint die Frauen zu verstehen, ohne sie zu verkleiden. Eine stimmige Kollektion mit hohem Verkaufspotenzial. We like!

Ein weiteres Highlight des Tages ist definitiv Vladimir Karaleev (unten links), der eine Kollektion zeigte, deren Schnittführung (sowohl für Männer als auch für Frauen) eine urbane Linie mit cosmopolitischer Note enthielt. Eine Kollektion, die sich international sehen lassen kann! Marina Hoermanseder (unten rechts) zählt zweifelsfrei zu den Highlights jeder Fashionweek Berlin. Sie zeigte eine starke Kollektion mit einem tollen Soundtrack. Leider waren viele der typischen MH-Pieces zwar kreativ, aber wenig überraschend (im Vergleich zur letzten Show im Sommer). Außerdem fehlten die tragbaren Pieces, die wir in den letzten Saisons gerne direkt vom Catwalk gekauft hätten. Wir freuen uns aber auf den kommenden Sommer und sind uns sicher, dass Marina Hoermanseder noch Potential für Überraschungen hat.

Lowlight des Tages ist leider Ewa Herzog (unten). Während sie in vergangenen Kollektionen Spitze immer interessant,neu und am Puls der Zeit interpretiert hat, ist es ihr in dieser Saison nicht gelungen und man wartete vergeblich auf das gewisse Extra.

Tag 4, Freitag 20. Januar

Den letzten Tag der Fashionweek Berlin mussten wir leider wegen anderer Verpflichtungen ausfallen lassen. Glaubt man aber der Presse, überzeugte vor allem Sadak (unten) mit einer individuell urbanen Kollektion für Männer und Frauen.

Fotos: Mercedes Benz & Marina Hoermanseder