Ich habe mein Brautkleid gefunden. Im letzten Post habt ihr wahrscheinlich gemerkt, dass dieser Fall für mich sehr unwahrscheinlich schien. Ich war eher genervt vom Hochzeitszirkus und war mir sicher DAS Kleid würde nicht existieren. Doch beginnen wir ganz von vorn.

Besuch bei der Schneiderin

Schon kurze Zeit nach dem letzten Post hatte ich einen Termin bei einer tollen Schneiderin in Berlin, die sich auf Brautkleider spezialisiert hat. Ich wurde super beraten, doch ertappte mich immer wieder dabei, wie ich ihr das Ruder entreißen wollte. Ich hing in meinem geistigen Design fest, wollte aber dennoch offen für Neues sein. Schon in dieser einen Stunde geschah das, was ich eigentlich vermeiden wollte: Im Kopf war ich längst im kompletten Werdegang des Kleides integriert. 8 Anproben hätte es gebraucht. 8 Anproben, in denen ich in Versuchung gewesen wäre, mich mit Nadeln festzustecken, zu diskutieren und das Brautkleid zu perfektionieren. Ich bin Designer mit Leib und Seele. Es fällt schwer das abzuschalten und sich einfach mal fallen zu lassen. Die Angst, sich an dem Kleid schon während der Anproben satt zu sehen, war groß. Deshalb vertagte ich den nächsten Termin und hatte mir vorgenommen, die Brautausstatter dieser Stadt zu besuchen und mich wild durchs Sortiment zu probieren. In der Hoffnung, DAS Kleid zu finden. Das Brautkleid nach eigenem Design nähen zu lassen, wurde also zu Plan B.

Anprobe bei Pronovias in Berlin

Mein erster Stopp (und auch mein letzter, aber dazu später) führte mich in den Flagshipstore des spanischen Brautkleid-Labels Pronovias in Berlin. Jesko begleitete mich. Nach 2 Runden auf dem Kuhdamm fanden wir endlich einen Parkplatz und dann geschah das, von dem ich mir sicher war, dass das nur andere Bräute betrifft und nicht mich: Ich war aufgeregt! Das erste mal wurde die Hochzeit für mich greifbar.Im Laden angekommen wurde es nicht besser. Ich war hibbelig und mir schien die ganze Situation eher unwirklich als real. Das erste Mal in meinem Leben würde ich ein Brautkleid anprobieren. Als ich den Termin telefonisch vereinbarte, habe ich der netten Dame schon von meinen Vorstellungen erzählt, aber ihr auch gesagt, ich sei für alles offen. Nach einem freundlichen Empfang und einem Glas Wasser wurden wir in den weiss vertäfelten Anprobe-Raum geführt. Goldene Hängeleuchten hüllten die weissen Kleider in warmes Licht. Pinienzapfen in Gold trohnten auf den Enden der ebenso goldenen Kleiderstangen. „Falls ich hier vor Glanz einen Herzinfarkt erleide ist das Ok. Hier möchte ich sterben. Einfach schön.“ Dachte ich mir. Nach einem kurzen Austausch meiner Vorstellungen kehrte die freundliche Dame mit drei Kleidern zurück. Das erste Brautkleid kannte ich seit 7 Monaten. Jedes Mal, wenn ich mich „zufällig“ auf die Pronovias-Website verirrte, stach es mir ins Auge. Ich dachte immer, es könnte mein Traumkleid sein, war mir aber nicht sicher, ob es wirklich zu meinem Figurtyp passte. An den 1,80 m großen und 55 Kg leichten wunderschönen Models sieht so ein Kleid ja schließlich anders aus, als an einer kleinen Person mit weiblichen Formen. Das wusste ich aus meinem Alltag im Modezirkus nur zu gut. Schon am Telefon wies mich die Beraterin darauf hin, dass das Kleid nicht zu jedem Figurtyp passt. Kleid 2 und 3 waren in ähnlichem Stil und wichen nur in Details vom ersten Kleid ab.

Wow

Als ich meine erste Wahl anprobierte, mein Körper ordentlich verpackt in 100 Lagen Shapewear („schließlich nehme ich ja noch ab“), trat ich aus der Kabine und sah in Jeskos vertrautes Gesicht. Sein Ausdruck sagte mehr als tausend Worte, bevor ich mich im Spiegel betrachtete. Es passte, es war wundervoll und es stand mir. Selbst meine Beraterin schien verblüfft, dass es wider Erwarten zu meinem Figurtyp passte, Shapewear sei Dank. “ Ist das mein Brautkleid?“ Ich probierte Kleid 2 und in dem Moment, als ich es im Spiegel sah, war ich schon wieder auf dem Weg zurück in die Kabine. Nein zu Kleid 2! Kleid 3 machte es mir deutlich schwerer, es war anders aber dennoch ähnlich und es enthielt Schnittformen, von denen ich überzeugt war, sie nicht tragen zu wollen. Aber es passte und sah ebenfalls umwerfend aus. In dem Moment war mir klar, es bedarf keines weiteren Brautgeschäftes. Hier würde ich mein Kleid kaufen. Kleid 1 oder 3? Ich konnte mich nicht entscheiden. Ich würde darüber schlafen müssen und letztendlich die eine Person zu Rate ziehen, die ich in Modefragen sonst nie konsultieren würde: Meine Mutter.

Muddi knows best

3 Tage später hatte ich erneut einen Termin. Meine Mutter begleitete mich. Um ehrlich zu sein, wusste ich schon beim Betreten des Stores, welches Kleid ich an diesem Tag bezahlen würde. Aber ich sagte nichts und wollte, dass meine Mutter diesen besonderen Moment ihrer Tochter erleben darf. Ich schlüpfte in Kleid 1, trat aus der Kabine und meiner Mutter schossen auf der Stelle die Tränen in die Augen. „Das ist dein Kleid!“. Ich sagte nichts, lächelte und zog Kleid 3 an. Dieses fand sie ebenso schön, aber nur Kleid 1 raubte ihr den Atem. Ich verkündete meine Entscheidung und sagte, dass ich bereits die letzten Nächte von Kleid 1 geträumt hatte. Ich zog es noch einmal an. „Bitte machen Sie die Rechnung fertig, DAS IST ES!“

Ich hätte nie gedacht, dass es nur 3 Anproben bedarf, um das richtige Kleid zu finden. Aber nun weiss ich, ich hatte mein Kleid schon vor 7 Monaten gefunden. Nach der Hochzeit werdet ihr hier natürlich alles über DAS Brautkleid erfahren. Aber im Moment möchte ich nicht zu viel verraten 😉

Fotos: Titelbild PaperboyParty , Store Bilder Pronovias.com